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Die Geschichte des Zuercher Gesprächskreises
 

Im April 1986 trafen sich in Zürich fünf deutsche und ein schweizer Wissenschaftler aus dem Bereich der gynäkologischen Endokrinologie zu einem Arbeitstreffen mit dem Ziel, eine aktuelle Bestandsaufnahme zum Thema "Wirkungen und Nebenwirkungen der Gestagene" zu erarbeiten. Die Teilnehmer waren die Professoren Gerhard Bettendorf (Hamburg), Meinert Breckwoldt (Freiburg), Jürgen Hammerstein (Berlin), Paul J. Keller (Zürich), Herbert Kuhl (Frankfurt) und Benno Runnebaum (Heidelberg). Nach der Präsentation von Kurzvorträgen der sechs Teilnehmer über die Pharmakologie sowie die experimentellen, tierexperimentellen und klinischen Wirkungen der verschiedenen Gestagene und ihrer Kombinationen mit Estrogenen wurden nach einer mehrstündigen Diskussion die ersten Zürcher Empfehlungen zur oralen Kontrazeption verfasst. Mit dieser 10 Punkte umfassenden Stellungnahme zu den aktuellen Problemen sollte den niedergelassenen Gynäkologen eine Grundlage für die Verordnung der oralen Kontrazeptiva zur Verfügung gestellt werden. Diese Form von Empfehlungen hat sich außerordentlich bewährt und wurde bei allen folgenden Arbeitstreffen beibehalten. Die Tagungen des Zürcher Gesprächskreises waren stets von Sachlichkeit und Harmonie geprägt, sodass auch bei strittigen Themen ein Konsensus erzielt werden konnte. Dies lag nicht zuletzt an der auf sechs Wissenschaftler begrenzten Teilnehmerzahl.

Die ersten Empfehlungen zur hormonalen Kontrazeption aus dem Jahr 1986 lauteten:
1. Grundsätzlich sind heute niedrig dosierte Präparate mit einem Östrogengehalt von weniger als 50 µg zu bevorzugen.
2. Bei diesen niedrig dosierten Präparaten treten die unterschiedlichen Wirkungsprofile der verschiedenen Gestagene klinisch in den Hintergrund. Als Ausnahme sind bei Frauen mit Androgenisierungserscheinungen solche Präparate zu bevorzugen, deren Gestagenanteil zugleich auch antiandrogen wirksam ist.
3. Es gibt keine konstitutionstypischen Kriterien für die Bevorzugung eines bestimmten Kontrazeptivums.
4. Ein Vergleich der Gestagenkomponenten in den Kontrazeptiva auf Gewichtsbasis (mg) hinsichtlich der Wirkungen und Nebenwirkungen ist irreführend.
5. Ebenso ist ein Vergleich auf der Basis sogenannter Potenzen problematisch, einschließlich der Bindungsaffinität zu Gestagenrezeptoren. Ausschlaggebend sind die kontrazeptive Wirksamkeit und klinische Verträglichkeit.
6. Unter dem Aspekt des kardiovaskulären Risikos wird künftig ein Lipidstatus für folgende Patientinnen empfohlen: Frauen ab Mitte 30, Raucherinnen ab 30 Jahren, Patientinnen mit Adipositas (Übergewicht 20%), Frauen mit Diabetes Typ I. Der Lipidstatus sollte umfassen: Triglyceride, Gesamtcholesterin, HDL und Ermittlung des LDL-Anteils durch die Friedewald-Formel.
7. Nach erneutem Ausschluss von Risikofaktoren und bei normaler Stoffwechsellage kann bei Frauen über 35 Jahren die Pille beibehalten werden.
8. In der Laktationsphase ist unter den hormonalen Kontrazeptiva die Minipille zu bevorzugen, dagegen sind die Kombinationspräparate wegen einer möglichen Beeinträchtigung der Still-Leistung zu vermeiden.
9. Bei Diabetikerinnen ist die Einnahme von niedrig dosierten Ovulationshemmern über einen auf wenige Jahre begrenzten Zeitraum möglich. Bei bestehenden Mikroangiopathien sind orale Ovulationshemmer kontraindiziert.
10. Bei Durchbruchblutungen unter niedrig dosierten oral Ovulationshemmern empfiehlt sich nach Ausschluß anderer ursächlicher Faktoren (Medikamente, Malabsorption etc.) der Übergang auf Präparate mit höherem Östrogengehalt. Kommt es auch dabei zu Blutungen, ist eine histologische Abklärung (Abrasio) herbeizuführen.

Die ausgezeichnete Resonanz, mit der die ersten Zürcher Empfehlungen von der Ärzteschaft und der Öffentlichkeit aufgenommen wurden, hatte zur Folge, dass sich der Zürcher Gesprächskreis auch in den folgenden Jahren regelmäßig im Frühjahr traf, um neue Ergebnisse und Erkenntnisse zu diskutieren und die Empfehlungen zu aktualisieren.
Nachdem Prof. Hammerstein im Jahr 1988 aus dem Gremium ausgeschieden war, wurde 1991 Prof. Teichmann (Aschaffenburg) zur Teilnahme eingeladen. Im gleichen Jahr wurde beschlossen, künftig in jedem Herbst ein weiteres Treffen durchzuführen, um auch Empfehlungen zur Hormonsubstitution in der Postmenopause zu erarbeiten.
Während der Tagung im Herbst 1993 wurde beschlossen, die 10 Punkte umfassenden aktualisierten Empfehlungen durch Addenda mit ausführlichen Stellungnahmen zu ausgewählten Themen zu ergänzen. Gleichzeitig wurde Prof. Kuhl damit beauftragt, als "Sekretär" des Gremiums die künftigen Arbeitstreffen zu koordinieren. Im Jahre 1995 ersetzte Prof. Braendle (Hamburg) den zuvor ausgeschiedenen Prof. Teichmann. Nachdem Prof. Bettendorf im April 1997 (zwei Jahre nach seiner Emeritierung) verabschiedet worden war, wurde Prof. Birkhäuser (Bern) bei dem Herbsttreffen 1997 Mitglied des Zürcher Gesprächskreises.
Nachfolger von Prof. Runnebaum, der im April 2001 zum letzten Mal teilnahm, wurde Prof. Kiesel (Münster), der sich aber nach dem Frühjahrstreffen 2007 aus zeitlichen Gründen zurückzog. Als Prof. Breckwoldt zwei Jahre nach seiner Emeritierung während des Treffens im Mai 2002 verabschiedet worden war, übernahm Prof. Neulen (Aachen) seinen Platz in dem Gremium. Im September 2006 trat Prof. Thaler (München) die Nachfolge des inzwischen emeritierten Prof. Keller an und nach dem Rücktritt von Prof. Kiesel vervollständigte Prof. Mück im Juni 2008 den Zürcher Gesprächskreis.
Als weiteres Mitglied trat Prof. Dr. Ludwig Wildt (Innsbruck) 2010 dem Gremium bei.
Im Jahr 2011 traten Prof. Kuhl und Prof. Brändle aus und als neue Mitglieder wurden Frau Prof. Inka Wiegratz (Frankfurt am Main) und Prof. Peyman Hadji (Marburg) im Gremium begrüßt. Die Aufgaben des Sekretärs übernahm Prof. Neulen.
Weiterhin wurde beschlossen, die Organisation der Treffen sowie die Pflege der Homepage an die Firma Softconsult (Marburg) zu übergeben.
Im Jahr 2012 wurde Prof. Imthurn (Zürich) von dem bestehenden Gremium gebeten dem Gesprächskreis beizutreten. Prof. Imthurn sagte gerne zu, sodass sich das derzeitige Gremium aus acht Mitgliedern zusammensetzt.
Es fanden in diesem Jahr zwei Treffen in Frankfurt am Main statt.
Das erste Treffen in 2013 fand am 23. Mai und das zweite am 14. November wieder in Frankfurt am Main statt.
Die Arbeitspapiere werden im "FRAUENARZT" veröffentlich und anschließend hier unter "Publikationen" zur Verfügung stehen.
In 2014 fand ein Treffen in Zürich und ein weiteres in Frankfurt am Main statt.
Im Juni 2015 traf sich der Zuercher Gesprächskreis in Innsbruck und das zweite
Treffen fand wie auch die letzten Male am Vortag der DMG e.V.-Jahrestagung
(12.11.2015) statt.
Anlässlich des Treffens in München im Juni 2016 fand eine Podiumsdiskussion
mit Pressekonferenz statt.
Für nähere Informationen bitte auf das Bild klicken.


Das zweite Treffen 2016 fand am 10.11.2016 in Frankfurt am Main, das erste
Treffen 2017 vom 31.05.-01.06. in Basel und das zweite am 16.11.2017 in
Frankfurt am Main statt.
Das erste Treffen findet vom 20.-21.06.2018 in Aachen statt. Das zweite Treffen
wird traditionell am Vortag der DMG e.V.-Jahrestagung, dem 22.11.2018
in Frankfurt am Main abgehalten.


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